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KW 16/07: Neues aus unserer Kategorie "Fachbücher"

In dem Buch "Wir nennen es Arbeit" werden die jungen Kreativen als "digitale Bohème" beschrieben, die sich jenseits von Konventionen und Fest-Anstellungen mittels neuer Technologien den alten Traum vom selbstbestimmten Leben erfüllen.

Etwas Besseres als die Festanstellung finden wir allemal!
In dem Buch "Fun-Economy", welches wir Ihnen in unserer Web-News in der KW 41/2003 vorgestellt haben, ging es unter anderem darum, dass man in seinem Job nur dann sehr gut sein kann, wenn man ihn mit wirklicher Leidenschaft macht.

In dem Buch "Wir nennen es Arbeit" wird ein weiterer Aspekt beschrieben: Ein selbstbestimmter Arbeits-Stil jenseits der Fest-Anstellung.

Auf Angestellten-Frust kann man mit der "Entdeckung der Faulheit" reagieren, wie es Corinne Maier in ihrem Bestseller fordert: Arbeitszeit absitzen, sicheres Gehalt einstreichen. Die digitale Bohème repräsentiert die mutigere Alternative: Immer mehr junge Kreative entscheiden sich für das Leben in Freiheit.

Ihr Haupt-Ziel ist nicht das Geld-Verdienen, sondern ein selbstbestimmter Arbeits-Stil, der den eigenen Motiven folgt – in unsicheren Zeiten vielleicht die überlegene Strategie, denn ihre enge Einbindung in soziale, künstlerische und digitale Netzwerke bringt ständig neue, teilweise überraschende Erwerbs-Möglichkeiten mit sich.

Sie schalten Werbe-Banner auf ihren Websites, handeln mit virtuellen Immobilien, lassen sich Projekte sponsern oder verkaufen eine Idee an einen Konzern. Laptops, Labels und Weblogs sind ihre Werkzeuge - eBay, YouTube und MySpace ihre Plattformen.

Ihre Produkte und ihre Arbeitsweise verändern den Charakter der Medien und des Internets, längst auch schon den der Gesellschaft.

In einer lebendigen Mischung aus digitaler Populär-Kultur, ökonomischer Theorie und Gesellschafts-Geschichte porträtieren Holm Friebe und Sascha Lobo die digitale Bohème:

Sie stellen erfolgreiche Konzepte und innovative Ansätze vor und erklären wirtschaftliche, technische und soziale Entwicklungen sowie Hintergründe. Ihre spannende Analyse einer zukunftsgewandten Daseins-Form inspiriert dazu, so zu arbeiten, wie man leben will.

1. Das Prinzip Bohème
Früher musste man Künstler, Literat oder äußerst bescheiden sein, um anders zu leben als die bürgerliche oder proletarische Mehrheit. Die digitale Bohème macht vor, wie mit Hilfe des Internets wesentlich mehr Leute von ihren Ideen und Talenten selbstbestimmt leben können. Und das stellt in Zeiten von Akademikerarbeitslosigkeit und Hartz IV oft genug eine Alternative zum Streben nach Festanstellung dar.

2. Der unflexible Mensch
Es gab eine Zeit, da hiess Beständigkeit im Job auch Sicherheit. Inzwischen gibt es keine Festanstellungen mehr, die noch wirklich sicher wären. Die scheinbare Flexibilität der Angestelltenwelt von Gleitzeit bis Jobhopping führt in eine riskante Abhängigkeit vom eindimensionalen System Festanstellung. Die digitale Bohème hat nicht ein einziges Standbein, aber dafür vier oder fünf Spielbeine – da lässt sich verkraften, wenn eines wegfällt.

3. Die Währung Respekt
Wer glaubt noch an Arbeitsamt und Rentenkasse? Und wer glaubt noch daran, dass das manische Anhäufen von Praktika und das ständige Feilen am Lebenslauf tatsächlich zum sicheren Job führt? Höchste Zeit, den inneren Personalchef zu überwinden. Die Alternative der digitalen Bohème heisst, in Respekt und Reputation im eigenen Netzwerk zu investieren – im Zweifel das flexiblere und verlässlichere Auffangnetz.

4. Work in Projects
Die Arbeit der digitalen Bohème organisiert sich in Projekten. Zwei dienen dem Geldverdienen, eines ist eh nur zum Spass, ein anderes eine Investition in die Zukunft und das letzte wird eventuell an Yahoo verkauft und macht alle zu Millionären. Oder auch nicht, aber dann hatte man wenigstens Spass mit netten Leuten. Mut zu Trial & Error haben auf lange Sicht noch aus der grössten Pfeife ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft gemacht.

5. Bohème und Big Business
Die Medien- und Marketingmaschine braucht immer mehr Futter und muss immer interessanter erscheinen. Da kommt die Bohème mit ihren wirren, aber unterhaltsamen Ideen gerade recht. Von ihr geht eine seltsame Anziehungkraft aus, denn eines können die Marketingabteilungen der Konzerne nicht selbst herstellen: Coolness. Es entsteht eine Hassliebe, die Basis für den Geldfluss der einen und Coolness-Transfer der anderen Seite ist.

6. Place Does Matter
Es gab mal die Annahme, dass durch Internet und Mobiltelefon der Ort bedeutungslos wird. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade die hochmobile, kreative Klasse sucht sich Orte, an denen Lebensqualität und soziale Dichte zusammenkommen. Gerade der digitalen Bohème ist wichtig, wer im Café neben einem sitzt und warum. Orte mit hohem Anteil an Künstlern und Schwulen sind in den USA die Orte mit dem höchsten Wirtschaftswachstum.

7. Das soziale Netz
In der Anfangsphase des Internets wurde sein Wesen irgendwo zwischen Information und Kommerz vermutet. Heute ist die stärkste Triebfeder für die Weiterentwicklung der soziale Austausch. Der Begriff Web 2.0 verheisst, dass die Menschen das Internet der Firmenpräsenzen zurückerobern. Die digitale Bohème nutzt das Internet gleichzeitig als Ideen-, Produktions-, Kommunikations- und Vertriebs-Medium.

8. Kommunizierende Röhren
Die Knotenpunkte der Kommunikation im Web 2.0 sind Weblogs, kurz Blogs, also Themen- und Tagebücher im Netz. Über 100 Millionen Blogs sind Littfasssäule, Zeitung und Kneipe in einem und untereinander vernetzt. Ideen, Themen, Meinungen, Produkte – alles mischt sich und pflanzt sich im Netz fort, wenn es interessant genug ist. Schon bald werden Menschen ohne eigenes Blog angesehen werden wie heute Sonderlinge ohne Handy.

9. Virtuelle Mikroökonomie
Die digitale Bohème verdient nicht nur in kreativen Randbereichen der Marketinggesellschaft ihr Geld. Abgesehen von Profi-Gamern und Berufsbloggern pflegen viele Selbständige ihre beruflichen Netzwerke über das Internet. Die simpelste Form bildet der Powerseller, der von und für eBay lebt. Auch technikferne Branchen vom Kleinverlag über die Modedesignerin bis zum eremitischen Imker finden über die neuen Kanäle ihre Kunden.

10. Money For Nothing
Der am stärksten wachsende Markt der Unterhaltungsindustrie sind Online-Rollenspiele. Nicht nur neue Länder und Welten entwickeln sich im Netz – es sind komplette neue Gesellschaften mit neuen Beschäftigungen, neuen Berufen, neuen Werten und alles besteht aus Nullen und Einsen. Es gibt keine Grenzen mehr zwischen Spiel und Wirklichkeit, sondern nur noch zwischen Online- und Offline-Realität.

11. Die parallele Gesellschaft
Die digitale Bohème eröffnet mit ihren Spielarten der Arbeit eine Welt, in der sich eine Frage neu stellt: Wie wollen wir leben? Mancher mag zunächst in ein Vakuum fallen, wenn er nicht fünf Tage die Woche jeweils zehn Stunden gesagt bekommt, was sein Ziel zu sein hat. Aber mittelfristig geht es auch für breitere Volksschichten um einen Lebensentwurf, der durch das Wollen bestimmt ist und nicht durch das Müssen.

Die digitale Bohème: http://de.wikipedia.org/wiki/Bohème
Das Weblog zum Buch: www.wirnennenesarbeit.de
Das Buch kaufen: www.amazon.de
Der Verlag: www.randomhouse.de

Diese Denk- und Arbeitsweise ist bestimmt nicht für jeden geeignet, aber der Inhaber der Ad!Think Werbeagentur, Frank Neuhaus denkt, arbeitet und lebt schon seit Jahren genau nach diesen Ansätzen und hat sich daher auch am 1.3.1999, also vor über 8 Jahren selbständig gemacht.

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